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Einschätzung globale Marktsituation per März 2020

23.03.2020

Lesen Sie unsere Einschätzung zum aktuellen Marktumfeld sowie seinem Einfluss auf die einzelnen Anlageklassen und die Anlagegruppen der Avadis Anlagestiftung.

 

Aktuelles Marktumfeld

Innerhalb der letzten Wochen haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft abrupt gewandelt. Zum Jahresauftakt wiesen verschiedene Umfragen auf eine Aufhellung der globalen Konjunktur hin. Die Entschärfung der internationalen Handelsspannungen liess eine allmähliche Belebung der Wirtschaftstätigkeit erwarten. Die globale Verbreitung des Coronavirus und die zur Eindämmung der Pandemie erforderlichen Massnahmen haben diese positive Entwicklung jäh gebrochen.

In China ging die Wirtschaftsaktivität in weiten Teilen des Landes schon ab Januar stark zurück. Seit Mitte Februar verbreitet sich das Virus weltweit rasant. Die Einschränkungen in der Mobilität der Bevölkerung, Unterbrüche in der Produktion, die Störungen in den Lieferketten sowie der eingeschränkte Konsum der Haushalte werden in allen betroffenen Ländern die Wirtschaftstätigkeit stark beeinträchtigen. 

Die staatlichen Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von Covid-19 haben zu tiefgreifenden Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivitäten und des öffentlichen Lebens geführt. Am 16. März 2020 wurde schweizweit die gesundheitliche Notlage gemäss Epidemiengesetz ausgerufen. Die Schweizer Wirtschaft befindet sich zurzeit in einem Ausnahmezustand. Der Bundesrat hat bereits über 40 Milliarden Franken als Soforthilfe zur Verfügung gestellt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern. 

 

Obligationen und Währungen

An den Kapitalmärkten sind die Renditen von Bundesanleihen auf neue Tiefststände gesunken, während eine massive Flucht aus risikobehafteten Anlagen einsetzte. 

Der sich verdüsternde wirtschaftliche Ausblick veranlasste die US-Notenbank (FED) dazu, alleine im März Zinssenkungen im Umfang von 150 Basispunkten einzuleiten. In den letzten Tagen haben die Zentralbanken zudem koordinierte Massnahmen zur Liquiditätsstützung implementiert.

Die sprunghaft angestiegene Risikoaversion führte zu einer deutlichen Ausweitung der Credit Spreads für Unternehmensanleihen und Emerging Market Debt. Unter Berücksichtigung der ebenfalls stark ausgedehnten Geld/Brief-Spannen, wird es für aktive Manager eine besondere Herausforderung sein, in diesem Umfeld die Benchmarkvorgaben zu übertreffen. 

Avadis überwacht die Performance-Entwicklung der entsprechenden Anlagebausteinen sehr genau und ist im engen Kontakt mit den mandatierten Vermögensverwaltern.

An den Devisenmärkten führte die gestiegene Risikoaversion der Anleger zu einer Flucht in sichere Häfen − wie den Schweizer Franken oder den japanischen Yen −, während Schwellenländerwährungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch das britische Pfund schwächte sich wieder markant ab und erreichte mit Kursen unter CHF 1.15 neue historische Tiefstände.

 

Aktien 

Die Aktienmärkte sind weltweit massiv eingebrochen. Am stärksten hat es die bonitätsmässig schwächeren und konjunktursensitiven Segmente – wie Aktien Emerging Markets oder Small Caps − getroffen. Andererseits zeigt sich innerhalb des Aktienuniversums eine deutliche Präferenz für defensive Sektoren – beispielsweise Nahrungsmittel oder Healthcare. Die Kursschwankungen haben ein Niveau erreicht, wie man es zuletzt in der Finanzkrise 2008 gesehen hat. 

Bei den indexierten Anlagegruppen dürfte die sprunghaft angestiegene Volatilität implizit zu einer gewissen Ausdehnung des Tracking Errors führen. Während der Finanzkrise stieg dieser ebenfalls an und erreichte für die Aktien Welt Anlagegruppen damals beispielsweise einen Maximalwert von 0,2%. Die in den Anlagerichtlinien vorgeschriebenen Limiten wurden indessen stets eingehalten.

In den kommenden Wochen dürften Ökonomen und Analysten ihre Konjunktur- und Gewinnschätzungen zum Teil deutlich nach unten korrigieren. Es wird sich zeigen, wie die Märkte darauf reagieren werden. Möglicherweise ist einiges bereits in den Bewertungen eingepreist. Die heftige Verkaufswelle an den Aktienmärkten war grösstenteils von Panik und Angst getrieben. Falls die Investoren auf einen vorsichtig-konstruktiveren Modus schwenken, könnte die koordinierte Liquiditätsversorgung der Märkte durch die Zentralbanken ihr Ziel erreichen.

 

Private Equity

Insgesamt präsentiert sich bei Private-Equity-Anlagen ein gemischtes Bild. Das Fundraising, das Transaktionsvolumen und die Exits verliefen je nach Region unterschiedlich. Für 2020 bleibt das Umfeld für Private-Equity-Anlagen herausfordernd. Während die Transaktionspreise hoch bleiben dürften, könnte es für IPOs schwierig werden, sollte die aktuelle Unsicherheit an den Märkten länger anhalten. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung der Bewertungseinflüsse werden die Auswirkungen der Corona-Krise erst im Herbst in den Bewertungen ersichtlich sein.

 

Immobilien Schweiz

Am Büroflächenmarkt zeigt sich die grosse Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung der Flächennachfrage. Diese ist fast vollständig eingebrochen. Ob es sich hier um eine Momentaufnahme oder um einen längerfristigen Einbruch handelt, wird die Zukunft weisen. Noch stärker unter Druck stehen der stationäre Einzelhandel sowie Gastronomie und Hotellerie, die unter teilweise dramatischen Umsatzrückgängen leiden. Für einige Unternehmen in diesem Bereich ist die aktuelle Situation existenzbedrohend − es ist mit Konkursen und entsprechend hohen Mietzinsausfällen zu rechnen. Der Mietflächenmarkt Wohnen zeigt sich momentan relativ stabil − wenn auch Vermietungsaktivitäten durch den Ausnahmezustand zunehmend erschwert werden. Zudem ist im März der Referenz-Zinssatz auf ein Niveau von 1,25% gesunken. 

Die Portfolios der Avadis Anlagestiftung sind strategisch gut aufgestellt, um diesen schwierigen Herausforderungen begegnen zu können. In den letzten Jahren wurden eine qualitative Verbesserung der Bestandsportfolios vorangetrieben und Risiko-Exposures im kommerziellen Immobilienbereich reduziert. Die Anlagegruppen haben stichtagsbezogen keine verzinslichen Verbindlichkeiten. 

Im aktuellen Marktumfeld gilt es, die Strategie auf Ebene jeder einzelnen Liegenschaft konsequent umzusetzen. Die solide finanzielle Situation der Anlagegruppen bietet auch Spielraum für Opportunitäten im Markt. Das Zins- und Kapitalmarktumfeld sollte sich nach wie vor positiv auf die Wertentwicklung der Portfolios auswirken. Die Aussichten bei Marktmieten und Leerständen werden diesen Effekt allerdings dämpfen. 

 

Ausblick

Zurzeit belasten die unklaren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft die Finanzmärkte erheblich. In der ersten Jahreshälfte ist von ausgeprägten wirtschaftlichen Einbussen auszugehen. Wie rasch sich die Weltwirtschaft danach jedoch erholen wird, hängt entscheidend von der kombinierten Wirkung der gesundheits-, fiskal- und geldpolitischen Massnahmen ab.

 

Wie sollen sich Investoren in diesem Umfeld verhalten?

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass Markt-Timing − also im Tiefpunkt zu kaufen und auf dem Höchst zu verkaufen – noch niemandem systematisch gelungen ist. Diversifizierte Portfolios – bestehend aus unterschiedlichen Anlageklassen – brechen Marktverwerfungen. Nervosität, Angst und Panik sind keine guten Anlageberater. Wichtiger ist eine adäquat umgesetzte Anlagestrategie, die auf die eigene Risikofähigkeit ausgerichtet ist. Ein systematischer und disziplinierter Rebalancing-Mechanismus gewährleistet die Einhaltung der gewählten Anlagestrategie. Indirekt führt dieser Ansatz dazu, dass Gewinne mitgenommen werden, wenn der Aktienmarkt gut läuft, damit die Aktienquote auf dem definierten Niveau bleibt. Das Gegenteil ist bei sinkenden Märkten der Fall.

Wir sind überzeugt, dass sich ein langfristig orientierter, konservativer und nachhaltiger Ansatz, wie wir ihn seit über 20 Jahren anbieten, auch in dieser Krise bewähren wird. Und wir sind bestrebt, die Chancen, die solche Turbulenzen ebenfalls mit sich bringen, gewinnbringend zu nutzen.